Fünf Gründe für das Tauchen mit Kreislaufgerät

Von: Markus Ehmann

Hast du schon mal mit dem Gedanken gespielt, mit einem ein Kreislaufgerät zu Tauchen? Im Internet ist ein Fülle an Information zu verschiedenen Modellen und deren Eigenarten verfügbar, aber warum solltest du überhaupt den Schritt vom offenen System zu einer fortgeschritteneren Technologie wagen?

Hier sind fünf entscheidende Vorteile von Kreislaufgeräten (engl. Closed Circuit Rebreather, CCR) und wie sie dein Taucherlebnis entscheidend bereichern:

1. Komfortablerer Tauchgang

Rebreather sind technisch anspruchsvoller und herausfordernder, aber sie verbessern auch den Komfort beim Tauchen.
Als ich begann im Kaltwasser zu tauchen, bemerkte ich schnell, dass ein Trockentauchanzug wesentlich angenehmer für längere und tiefere Tauchgänge ist. Allerdings wurde mir erst mit dem Wechsel auf einen Kreisel klar, wieviel Wärme man tatsächlich auch über die Atmung verliert. Nicht so beim Kreisel, wo zum einen das erwärmte Atemgas nicht mehr verloren geht und auch die Filterung im Atemkalk chemisch weitere Wärme erzeugt.
Auch der Durst wird wesentlich verringert, da das eingeatmete Gas nicht mehr so trocken ist.

Ein weiterer Vorteil ist die Durchgängigkeit während des Tauchgangs.
Für den Notfall und falls der Rebreather ausfallen sollte, führt man genug Atemgas in Bailout-Flaschen mit, um wieder sicher zurück an die Oberfläche zu kommen. Im Normalfall, wird diese Reserve allerdings nicht benötigt und man atmet durchgehend aus dem Loop. Auch bei aufwändigen Trimixtauchgängen hat man somit keinen Aufwand, für Reisegas oder Dekompression zwischen verschiedenen Flaschen, Atemreglern und Gasen zu wechseln. Damit spart man nicht nur Zeit ohne das Prozedere für den Gaswechsel, sondern eliminiert auch Fehlerquellen und kann zudem den Tauchgang gleichzeitig viel mehr genießen.

2. Länger Tauchen

Das Kreislaufgerät mischt das Atemgas “on the fly” während des Tauchgangs und kann dabei den Sauerstoffanteil kontinuierlich anpassen. Im Tiefenbereich für Sporttaucher funktioniert das ähnlich wie Nitrox und passt perfekt, um die Nullzeit zu verlängern.
Wo Nitrox allerdings den besten Mix nur für die Zieltiefe, oder Maximum Operating Depth (MOD), bietet, kann mit dem CCR flexibel auf verschiedene Tiefen und Stufen angepasst werden. Auch Dekompressionsstops werden reduziert und optimiert, falls man in den diesen Bereich taucht. Das wäre sonst nur möglich, wenn man mit mehreren Gasen und der weitaus mehr Ausrüstung für die verschiedenen Abschnitte tauchen würde.

Jenseits der Sporttauchergrenze gleichen sich die Dekompressionsprofile zwischen dem offenen System und dem Kreisel immer mehr an, da zwangsweise die Zahl der verschiedenen Flaschen und Atemgase ansteigt. Trotzdem spielt der CCR hier einen anderen Vorteil aus, indem die maximale Tauchzeit bei Problemen verlängert wird und ein nützliches Sicherheitsnetz bietet.
Bei einem normalen Atemregler kann man der Finimeternadel bei einem Tauchgang auf 90 Meter mit jedem Atemzug zusehen, wie sie sich mehr dem Ende zu neigt. Dieser Stress kommt mit dem Kreisel erst einmal gar nicht auf! Üblicherweise limitiert der Atemkalk die Dauer des Tauchgangs und reicht normalerweise für mehrere Stunden. Damit hat man auch bei einem tiefen Trimixtauchgang oder weit hinten in einer Höhle erst einmal genug Zeit sein Problem zu lösen, ohne den Gasvorrat kritisch herunter zu atmen. Nur der verbrauchte Sauerstoffanteil wird ersetzt und alle anderen Flaschen bleiben unangetastet. Das gibt Dir Zeit Durchzuatmen, über eine Lösung nachzudenken und diese umzusetzen und allein dieses Gefühl kann bei stressigen Tauchgängen sehr beruhigend sein. Vielleicht wird dann auf dem Weg zurück und an die Oberfläche mehr Dekozeit notwendig, aber das ist im Rahmen der üblichen Tauchgangsplanung leichter berücksichtigt, als diverse zusätzliche Flaschen.

3. Optimales Atemgas

Wie oben beschrieben, kann der Kreisel das optimale Atemgas für diverse und wechselnde Tauchtiefen mischen. Das gilt nicht nur für die Grundzeit des Tauchgangs, sondern auch für den Aufstieg und die Dekompressionsstops.

Während des Aufstiegs wird der Anteil von Sauerstoff erhöht und dabei der Anteil der Inertgase reduziert (üblicherweise Stickstoff und Helium). Das erlaubt, den Partialdruck von Sauerstoff konstant zu halten, oder sogar zu erhöhen. Damit kann die Deko-Zeit reduziert und Inertgasspitzen, wie bei einem Tauchgang mit offenen System, können vermieden werden. Somit wird auch das Risiko einer isobaren Gegendiffusion reduziert (Englisch: IBCD). 

In gewissem Sinne ist das Gas für Kreiseltauchen auch optimal fürs Budget. Durch das Wiederatmen des Diluentgases und lediglich des zu ersetzenden Sauerstoffs, kosten die Füllungen für tiefe Tauchgänge meist nur einen Bruchteil. Das folgende Profil zeigt einen Tauchgang auf 70 Meter mit einer Grundzeit von 27 Minuten. Ein typischer Verbrauch mit dem Kreislaufgerät wären 300 BarLiter Diluentgas und 230 BarLiter. Das ist weniger als ein Zehntel für dasselbe Profil mit offenem System. Mit den steigenden Heliumpreisen kann das maßgeblich Kosten sparen!

4. Stille und die Tierwelt

Der Kreisel ermöglicht einen Tauchgang in annähernd kompletter Stille und man kann die Umgebung ganz ohne störende Blasengeräusche genießen. Ohne all‘ die ablenkenden Geräusche kann man komplett in die Unterwasserwelt eintauchen, egal ob im Wrack, Höhle, an der Steilwand oder am Riff. Schon Jacque Cousteau sprach von der „Silent World“.

Auch Fische und andere Unterwasserlebewesen werden nicht länger von den Blasen verschreckt und kommen näher und verweilen länger beim Taucher. Die meisten Fische bleiben nur nah genug, wenn ihre Neugier grösser als die Angst vor dem Unbekannten ist. Luftblasen locken nur die wenigsten Fische an…

Natürlich ist es dadurch auch wesentlich einfacher, Bilder und Videos zu schießen. Viele professionelle Foto- und Videografen haben sich aus genau diesem Grund für ein Kreislaufgerät als Mittel der Wahl entschieden.

5. Einfache Logistik

Flaschenfüllungen und Gasgemische reichen viel länger. Sobald die Bailout-Flaschen einmal gefüllt sind, können Sie immer wieder benutzt werden (bis zu einem Notfall) und müssen zwischen den Tauchgängen nicht wiederholt gefüllt werden. Das bedeutet, dass man sich nur um die kleineren Onboard-Flaschen kümmern muss und auch diese reichen üblicherweise für mehrere Stunden unter Wasser. Zwei 3-Liter Flaschen sind dann deutlich einfacher zum Kompressor zu tragen als ein Doppelpaket.
Das Gasgemisch zum Trimixtauchen beschränkt sich auf die eine Diluent-Flasche, bei der wesentlich leichter das Wunschgas gemischt werden kann und auch in deutlich kürzerer Zeit.
In abgelegeneren Regionen reicht auch einfach ein weiterer Satz Flaschen für die Onboard-Versorgung, wenn sonst mehrere Doppelpakete und Stages geschleppt werden müssen.

Zu guter Letzt bestimmt das Kreisel-Setup mit den Bailoutflaschen ein Maximalprofil für Tiefe und Zeit eines Tauchgangs. Es bleibt dabei aber flexibel, um auch alles dazwischen bei weniger anspruchsvollen Profilen abzudecken.
Das Wetter schlägt um und es muss ein anderer Tauchplatz angefahren werden? Der Buddy hat heute weniger Atemgas dabei? Kein Problem. Innerhalb der Grenzen für Zeit (Atemkalk und Bailout) und Tiefe (Diluent-MOD) kann der Plan mit der gleichen Ausrüstung angepasst werden. Und dabei verschwendet man noch nicht einmal größere Mengen von teurem Helium.

Üblicherweise denkt man erst an Kreislauftauchen, wenn die vielen Flaschen die Tauchgangslogistik schwierig machen. Aber auch darüber hinaus haben Rebreather entscheidende Vorteil und das sogar modellunabhängig.
So wie der Schritt vom Schnorchel zur Pressluftflasche, ist auch ein CCR ein weiterer Schritt hin zu einem vollumfassenden Erlebnis unter Wasser. Genießt die Ruhe und die neuen Grenzen zur Erkundung der Unterwasserwelt!

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