Mentoring im technischen Tauchen
Die nächste Generation sicher begleiten
Von Seb – TDI-Ausbilder
Taucher seit 1997, Rebreather-Spezialist seit 2005, mit über 4.000 Stunden Unterwassererfahrung in mehr als 3.000 Tauchgängen. Ehemaliger belgischer Bundespolizist und Feuerwehrmann, Ausbilder für technisches Tauchen und erfahrener Höhlenforscher. Erfahren in der Erforschung extremer Tiefen und in der Betreuung von Tauchern, die ihre Grenzen sicher erweitern und gleichzeitig die Kunst des technischen Tauchens meistern.
Der Ruf der Mentorschaft
Technisches Tauchen ist mehr als nur ein Sport; es ist eine Lebenseinstellung. Und wie jede Reise in extreme Umgebungen sollte auch diese am besten mit fachkundiger Begleitung unternommen werden. Man könnte meinen, Mentoring bestünde nur darin, jemandem den Umgang mit Geräten zu zeigen oder Verfahren zu befolgen – doch es geht um viel mehr.
Mentoring ist eine Kameradschaft, die durch gemeinsame Erfahrungen entsteht. Es ist die patientenorientierte Betreuung, die über jeden Kurs, über jede Zertifizierung hinausgeht. Man stelle sich einen Jedi und seinen Padawan vor: Der Mentor drängt nicht und hält ihn auch nicht zurück, sondern geht nebenher, passt das Tempo dem Fortschritt des Schülers an und ermutigt ihn zur Meisterschaft, während er gleichzeitig für seine Sicherheit sorgt.
Es geht darum, Gewohnheiten zu vermitteln, die Leben retten, mentale Widerstandsfähigkeit zu lehren, die Druck standhält, und die körperliche Bereitschaft für Umgebungen zu fördern, die die Grenzen der menschlichen Belastbarkeit überschreiten. Fit zu bleiben ist unerlässlich. Wir legen Wert auf funktionelles Training – CrossFit, Krafttraining und Konditionsübungen –, um Ausdauer, Rumpfmuskulatur und mentale Schärfe für anspruchsvolle Tauchgänge aufzubauen. Die Erhaltung gesunder Lungen, Disziplin und eine fokussierte Denkweise sind genauso wichtig wie der Umgang mit Gasen, Messgeräten und Lichtern.
Warum Mentoring wichtig ist
Wenn ich einen Taucher unter meine Fittiche nehme, zeige ich ihm nicht nur Techniken, sondern fördere auch seine Denkweise. Selbstvertrauen, Kompetenz und Wissen, erworben durch sorgfältiges und verantwortungsvolles Training, ermöglichen es einem Taucher, sich dem scheinbar Unmöglichen zu stellen.
Meine Jahre als Feuerwehrmann und Bundespolizist haben mich gelehrt, diszipliniert zu bleiben, mit Stress umzugehen und präzise zu handeln, wenn Menschenleben auf dem Spiel stehen. Diese Lektionen fließen in jeden Tauchgang ein durch:
- Sorgfältige Planung: Jeder Schritt wurde vorausgesehen, jedes Szenario vorbereitet.
- Wiederholtes Üben: Die Fähigkeiten werden so lange trainiert, bis Reaktionen unter Druck automatisch ablaufen.
- Ausführliche Briefings und Debriefings: Klarheit vor und nach jedem Tauchgang.
- Laufende Kommunikation: Die Beratung und Unterstützung gehen über den Tauchgang hinaus und erfolgen durch Nachrichten und Diskussionen.
Beim Mentoring geht es darum, gute Gewohnheiten, mentale Bereitschaft und unerschütterliches Vertrauen zu entwickeln – in sich selbst, in sein Team und in seine Ausrüstung. Es verwandelt Angst in Zuversicht und Zögern in entschlossenes Handeln.
Ambition und Disziplin im Einklang halten
Viele Taucher sind bestrebt, ihre Grenzen auszuloten und schnellstmöglich Meisterschaft zu erlangen. Ehrgeiz ist natürlich – doch beim technischen Tauchen kann Ungeduld fatal sein. Meisterschaft ist ein Weg, kein Wettlauf. Es erfordert Geduld, Beständigkeit und Respekt sowohl vor der Umwelt als auch vor dem Handwerk.
Die Erforschung extremer Tiefen – jenseits der Grenzen des Sports – erfordert mehr als Mut. Es erfordert tägliches Training, häufige Tauchgänge und unermüdliches Üben der Fertigkeiten. Moderne Kreislauftauchgeräte und hochentwickelte Ausrüstung mögen das Tieftauchen einfacher erscheinen lassen, aber kein Ausrüstungsteil kann eine solide Ausbildung und körperliche Fitness ersetzen. Fähigkeiten, die nicht gemeistert werden, gehen unter Stress verloren, und Fehler im Detail können unerbittliche Konsequenzen haben.
Ich erinnere mich an einen Tieftauchgang, bei dem meine Atemreglerstufe explodierte. Panik hätte ausbrechen können. Stattdessen leiteten jahrelange Disziplin und wiederholtes Training meine Reaktionen: Muskelgedächtnis führte meine Hände, ruhige Einschätzung leitete meinen Geist, und überlegte Schritte brachten mich in Sicherheit. In extremen Tiefen ist Disziplin keine Option – sie ist überlebenswichtig.
Die Kunst der Mentorschaft
Mentoring bedeutet, Anleitung zu geben, ohne sich zurückzuhalten. Jeder Taucher ist anders. Manche sind kühn und wollen unbedingt voranschreiten; andere sind überlegt, vorsichtig und nachdenklich. Die Aufgabe des Mentors besteht darin, das Gleichgewicht zu finden, Potenziale zu erkennen und die Anleitung so anzupassen, dass das Wachstum gefördert wird.
Ein wirklich großartiger Ausbilder:
- Er erkennt das Potenzial in jedem Schüler, noch bevor dieser es selbst erkennt.
- Vereinfacht komplexe Ideen, sodass sie umsetzbar und einprägsam werden.
- Passt den Unterricht an die unterschiedlichsten Lerntypen an – von Astronauten bis zu Bäckern, jeder kann im Klassenzimmer dabei sein.
- Sie wandelt Theorie in Erfahrung um und macht aus abstraktem Wissen instinktive Fertigkeiten.
Nicht alle Spitzenforscher sind gute Ausbilder, und nicht alle guten Ausbilder sind extreme Forscher. Mentoring ist die Schnittstelle von Erfahrung und Lehrfähigkeit, die Taucher hervorbringt, die Fähigkeiten verinnerlichen, Herausforderungen antizipieren und auch unter Druck ruhig bleiben.
Ein unvergesslicher Tauchgang: Höhlenforschung
Letztes Jahr hatte ich das Privileg, einen Taucher bei einem Push Cave Trimix-Tauchgang zu betreuen – eine Reise in die Stille, den Druck und die lichtlosen Gänge. Die Planung war akribisch: doppelte CCR-Anlage, bereitgestellte Gase, Roller, Lichter – jede Bewegung wohlüberlegt, jeder Notfall geprobt. Der Abstieg in die Höhle fühlte sich an wie der Eintritt in eine Kathedrale aus Stein und Wasser, wo jeder Schatten und jedes Schimmern die volle Aufmerksamkeit erforderte.
Nach etwa einem halben Tauchgang hatten wir meine bisherige Tiefengrenze überschritten. Am geplanten Wendepunkt, tiefer als wir beide zuvor gewesen waren, stiegen wir mit ruhiger Zuversicht auf. Jede Fähigkeit, die wir eingeübt hatten, leitete uns, jede Gewohnheit stärkte die Sicherheit. Das ist Mentoring in der Praxis: einen anderen Taucher auszurüsten, damit er sich mit Fokus, Klarheit und Mut dem Abgrund stellen kann. Es geht nicht darum, den Sprung für sie zu machen, sondern darum, sie zu befähigen, dort erfolgreich zu sein, wo am meisten auf dem Spiel steht.
Mentorschaft jenseits des Tauchgangs
Wahre Mentorschaft reicht über das Wasser hinaus. Es prägt den Charakter und die Lebenseinstellung:
- Sicherheit wird zum Instinkt.
- Mentale Widerstandsfähigkeit wird zur Gewohnheit.
Disziplin und Integrität prägen jede Entscheidung.
Mentoring ist niemals eine Abkürzung. Es braucht Geduld, Wiederholung und sorgfältige Anleitung – um aus rohem Potenzial Können, aus Begeisterung verantwortungsvolle Erkundung und aus Ehrgeiz Meisterschaft zu machen.
Die nächste Generation begleiten
Mentoring ist das Herzstück des technischen Tauchens. Es geht um Disziplin, Vorbereitung und Kameradschaft. Es prägt Taucher nicht nur für einen einzigen Tauchgang, sondern für ein ganzes Leben voller Entdeckungen.
Für diejenigen, die bereit sind zu lernen, zu trainieren und auf Erfahrung zu vertrauen, bieten die Tiefen endlose Herausforderungen. Mit der richtigen Anleitung können Taucher diese Herausforderungen mit Geschick, Konzentration und Selbstvertrauen meistern.
An alle Taucher, die dies lesen: Sucht euch einen Mentor, werdet selbst Mentor und nehmt die Lehrzeit an. Trainiere deinen Körper, schärfe deinen Geist und bereite deine Seele vor. Im Schatten der Höhlen und unter dem Druck der Tiefe verwandelt Mentorschaft Angst in Meisterschaft, Neugier in Leistung und Potenzial in Legende.













Erstelle eine Antwort
Möchtest du an der Diskussion teilnehmen?Es steht dir frei etwas beizutragen!